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Dienstag, 28. Mai 2024

Nach fast 1 Jahr: Wie sinnvoll war der deutsche Glücksspielstaatsvertrag?

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Als am 01. Juli 2021 der deutsche Glücksspielstaatsvertrag in Kraft trat, gab es Kritik. Schon vorher waren die Stimmen laut, die davor warnten, dass deutsche Online-Casinos abwandern könnten, um die Restriktionen des Staates zu umgehen. Noch immer gibt es keine Einigung zwischen den Anbietern und den Unterhändlern des Staates. Im Gegenteil, dem Staat droht ein künftiger Flickenteppich der Konzessionen.

Hohe Einschränkungen durch deutsche Lizenz

Casinos, die in Deutschland beschließen, die deutsche Lizenz zu erwerben und anzuwenden, müssen die restriktiven Maßnahmen des Glücksspielstaatsvertrags umsetzen. Und das sind nicht wenige, so dürfen Kunden der Casinos online anbieterübergreifend maximal 1.000 Euro investieren. Am Slot-Automat ist der Einsatz pro Runde auf einen Euro limitiert. Zwischen den Runden müssen die Anbieter dafür sorgen, dass eine Pause von fünf Sekunden eingehalten wird und Autoplay ist gänzlich verboten. Nach einer Stunde im Casino online wird jeder Kunde automatisch für fünf Minuten gesperrt. 

Blackjack und Roulette suchen vergeblich Teilnehmer im Online-Casino mit deutscher Lizenz. Klassische Spiele, die in einem physischen Casino gespielt werden, sind in den Online-Casinos verboten, um den physischen Casinos eine Art Monopolrecht zu gewähren. Doch das gehört schon bald der Vergangenheit an, denn der Staat plant eine weitere Änderung, die das Chaos Realität werden lässt. 

Die Vergabe der Lizenzen für Online-Casinos, die auch klassische Spiele wie Poker anbieten dürfen, obliegt künftig den einzelnen Bundesländern. Das führt zwangsläufig zu unterschiedlichen Rechten in den Bundesländern. Abschließend ist nicht geklärt, ob Spieler territorial eingeschränkt sind oder auch in einem anderen Bundesland online spielen dürfen.

Casinos ohne deutsche Lizenz die beste Alternative

Experten der Branche sind sich sicher, dass der Kontrakt mittelfristig nur dazu führt, dass die Attraktivität der Online-Casinos ohne deutsche Lizenz weiter steigt, wie GamingGadgets.de schreibt. Casinos mit einer maltesischen Lizenz sind weitaus besser dran, erzielen hohe Umsätze und die Gewinnchancen der Teilnehmer sind höher als in einem Casino mit deutscher Lizenz. 

Letztlich ist es auch für den deutschen Staat ein Wettbewerb, dem er sich stellen muss, will er auf dem Glücksspielmarkt künftig nicht vollständig untergehen. Die ständige Bevormundung der Bürger, der Glaube, dass der Staat für die Bürger alles regeln muss, führt letztlich häufig zur Missachtung verschiedener Vorschriften, aber auch zur Abwanderung der Gelehrten. 

In einem Jahr werden alle sehen, wie sehr sich der Glücksspielstaatsvertrag weiter verändert hat und wie sich das auf dem Glücksspielmarkt auswirkt. Bis dahin bleiben allen Usern Casinos ohne deutsche Lizenz.

Besteuerung der Gewinne

Was vielen sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass in Deutschland die Gewinne zu versteuern sind und nicht die Bruttoumsätze wie in anderen Ländern. Es gibt außerdem keine Freibeträge, was die Attraktivität der deutschen Lizenz weiter verblassen lässt. Casinos mit deutscher Lizenz können damit nicht so hohe Gewinne ausschütten wie in anderen Staaten mit fehlender deutscher Lizenz. 

Spieler aus Deutschland bevorzugen nicht zuletzt deshalb Casinos ohne deutsche Lizenz, um die Ausschüttungsquote nicht weiter zu verringern. Die liegt an den Automaten zwischen 95 und 98 Prozent. Bei 5,3 Prozent Steuerabzug müsste das Casino die Quote auf 90 Prozent senken, um noch stabile Umsätze zu erzielen, was für die User bedeutet, dass ihre Gewinnchancen drastisch sinken. 

Staat verspricht sich eine Stärkung durch Steuer

Das aktuelle Steuermodell ist ein deutscher Sonderweg, der von vielen Fachleuten aus den Verbänden kritisiert wird. Nun liegt bei der Europäischen Union eine Anfrage für eine Beihilfe vor, die klären soll, ob das deutsche Steuersystem im Bezug zum Glücksspielstaatsvertrag rechtsgültig ist. Sollte die Kommission der Europäischen Union zum Schluss kommen, dass der Sonderweg in Deutschland unzulässig ist und die Steuer wie in den anderen Staaten auf den Bruttoumsatz zu erheben ist, muss die Regierung zeitnah handeln. 

Noch aber wartet die EU auf die Stellungnahme aus Deutschland und kann erst dann den Vorgang weiter bearbeiten. Begründet hatte der Staat den Sonderweg, die Steuer vom Gewinn zu berechnen, um eine Stärkung zu erzielen. Was genau damit gestärkt werden soll, ob der Bundeshaushalt oder das System der Online-Casinos, ist bis heute ungeklärt. 

Grenze des Zumutbaren

Alle User werden gleichberechtigt behandelt. Das ist gelebte deutsche Demokratie, wie sie sonst nicht stattfindet. Während in der Arbeitswelt sehr wohl entscheidend ist, wo jemand herkommt, werden beim Glücksspiel keine Unterschiede gemacht. Der soziale Hintergrund eines Kindes entscheidet darüber, ob es ein Gymnasium besuchen darf oder sich mit der Realschule zufriedengeben muss, während der soziale Hintergrund eines Users keine Rolle spielt. 

Tatsache aber ist, dass einige User besser und andere schlechter mit dem Glücksspiel umgehen können. Nicht alle sind gleichgefährdet, wie auch Psychologen immer wieder betonen. Nicht allen droht die Ver- oder Überschuldung und leben in der Existenzgefahr. Nicht alle erleiden gesundheitliche Schäden, die die Gesundheitskosten belasten. Mit dem Glücksspielstaatsvertrag bevormundet der Staat den Bürger, der in seiner Freizeit sein Glück im Online-Casino sucht. Ihm wird vorgeschrieben, was er oder sie sehen und spielen darf, wie lange und zu welchen Gewinnen.

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